ReifenInspektor

Motorradreifen in der Praxis

Redaktion Reifeninspektor · Zuletzt geprüft: · 5 Min. Lesezeit

Die Kurzantwort

Motorradreifen brauchen nach § 36 StVZO mindestens 1,6 mm Profil, Leichtkrafträder und Kleinkrafträder 1 mm. Die Abriebindikatoren vieler Motorradreifen liegen tiefer, verlassen Sie sich deshalb nicht allein auf sie. Neue Reifen brauchen einige Kilometer zum Einfahren, kalte Reifen haften schlechter. Welche Reifen erlaubt sind, steht in den Fahrzeugpapieren.

Beim Motorrad hängt besonders viel vom Zustand der Reifen ab. Dieser Ratgeber beantwortet die häufigsten Fragen aus der Praxis: wann gewechselt werden muss, wie neue Reifen eingefahren werden und welche Reifen Sie überhaupt fahren dürfen.

Wann Motorradreifen gewechselt werden müssen

Profil: § 36 Abs. 3 StVZO verlangt für Krafträder mindestens 1,6 mm Profil am ganzen Umfang, gemessen in den Hauptrillen. Für Leichtkrafträder, Kleinkrafträder und Fahrräder mit Hilfsmotor genügt 1 mm. Laut Wikipedia sitzen die Abriebindikatoren vieler Motorradreifen bei nur 0,8 mm. Messen Sie deshalb nach, statt auf den Indikator zu warten. Wie das geht, steht im Ratgeber Profiltiefe.

Alter: Ein gesetzliches Höchstalter für Motorradreifen gibt es nicht. Gummi härtet aber mit den Jahren aus, auch wenn das Motorrad kaum gefahren wird. Laut Wikipedia gilt ein Wechsel nach fünf bis sechs Jahren als übliche Empfehlung, auch bei ausreichendem Profil. Das Herstellungsdatum steht in der DOT-Nummer, „1425“ heißt 14. Woche 2025. Mehr dazu im Ratgeber DOT-Nummer und Reifenalter.

Kilometer: Eine feste Laufleistung gibt es nicht. Sie hängt von Reifen, Motorrad und Fahrweise ab. Maßgeblich sind Profil, Alter und Zustand.

Schäden: Risse in der Flanke, Beulen oder eingefahrene Fremdkörper sind ein Grund, den Reifen sofort prüfen zu lassen.

Welche Reifen Sie fahren dürfen

Welche Reifengrößen für Ihr Motorrad zugelassen sind, steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I oder in der Übereinstimmungsbescheinigung (CoC). Manche Motorräder sind zusätzlich an bestimmte Reifenfabrikate gebunden, das nennt man Reifenbindung. Dann dürfen nur die eingetragenen Reifen montiert werden. Eine Reifenbindung lässt sich nach Wikipedia mit einem Gutachten und einer Abnahme nach § 19 und § 21 StVZO austragen. Ohne Bindung ist die Marke frei, die Größe muss trotzdem passen.

Auch Bauart und Index müssen stimmen: Nach § 36 Abs. 1 StVZO müssen die Reifen zur Belastung und zur Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs passen. Was die Zahlen und Buchstaben bedeuten, erklären die Ratgeber Reifengröße lesen, Last- und Geschwindigkeitsindex und Diagonal oder Radial.

Mit oder ohne Schlauch: Die Kennzeichnung auf der Flanke zeigt es. TT (Tube Type) steht für Reifen mit Schlauch, verbreitet bei kleineren Maschinen und Speichenrädern. TL (Tubeless) steht für schlauchlose Reifen, typisch für Gussräder.

Neue Reifen einfahren

Neue Reifen haben eine glatte Oberfläche aus der Herstellung. Sie raut erst beim Fahren auf, dann greift der Reifen richtig. Fahren Sie die ersten Kilometer deshalb zurückhaltend, ohne starke Schräglage und ohne hartes Bremsen oder Beschleunigen. Laut Wikipedia ist die Vorstellung überholt, neue Reifen seien wegen eines Trennmittels rutschig. Bei Hitze im Lager oder beim Transport können aber Weichmacher an die Oberfläche treten.

Kalte Reifen und Aufwärmen

Ein kalter Reifen haftet schlechter. Laut Wikipedia greifen normale Straßenreifen ab etwa 20 bis 25 °C Lauffläche ausreichend und am besten zwischen etwa 35 und 60 °C. Sport- und Rennreifen brauchen deutlich mehr. Nach dem Start und bei kühlem Wetter gilt deshalb: die ersten Kilometer ruhig fahren.

Montieren, Wuchten, Lagern

Das Aufziehen und Auswuchten ist eine Arbeit für die Werkstatt, vor allem bei schlauchlosen Reifen und Gussrädern. Nach der Montage gehört der Luftdruck auf den Wert aus der Betriebsanleitung des Motorrads. Hintergründe stehen im Ratgeber Reifendruck.

Wer Reifen lagert, hält sie kühl, trocken und dunkel. Lange oder heiße Lagerung und direktes Sonnenlicht lassen den Gummi laut Wikipedia aushärten.

Nagel oder Schraube im Reifen

Steckt ein Fremdkörper im Reifen, lassen Sie den Reifen möglichst bald in einer Werkstatt prüfen. Ob sich der Reifen reparieren lässt oder ersetzt werden muss, entscheidet die Werkstatt nach Lage und Größe des Schadens.

Motorradreifen finden

Neue Motorradreifen suchen Sie am besten nach der Größe aus Ihren Fahrzeugpapieren, etwa „120/70 ZR17“.

Passend zum Artikel

Motorradreifen

Häufige Fragen zu Motorradreifen

Wie viel Profil müssen Motorradreifen haben?

Mindestens 1,6 mm nach § 36 Abs. 3 StVZO. Für Leichtkrafträder, Kleinkrafträder und Fahrräder mit Hilfsmotor genügt 1 mm.

Wie alt dürfen Motorradreifen sein?

Ein gesetzliches Höchstalter gibt es nicht. Weil der Gummi aushärtet, gilt laut Wikipedia ein Wechsel nach fünf bis sechs Jahren als übliche Empfehlung.

Wie lange muss ich neue Motorradreifen einfahren?

Eine feste Strecke schreibt niemand vor. Fahren Sie die ersten Kilometer zurückhaltend, bis die glatte Oberfläche aufgeraut ist.

Muss ich Motorradreifen eintragen lassen?

Nicht, wenn die Größe in den Fahrzeugpapieren steht und keine Reifenbindung besteht. Bei einer Reifenbindung dürfen nur die eingetragenen Fabrikate montiert werden, außer die Bindung wird nach §§ 19 und 21 StVZO ausgetragen.

Was bedeuten TT und TL?

TT steht für Reifen mit Schlauch, TL für schlauchlose Reifen.

Rechtsstand . Die Angaben zu Gesetzen und Vorschriften haben wir an diesem Tag geprüft. Regeln können sich jederzeit ändern – maßgeblich ist immer die aktuell gültige Fassung, zum Beispiel hier im amtlichen Text.

Weiterlesen

So finanzieren wir uns

Reifeninspektor ist kostenlos. Kaufen Sie über einen Link zu einem unserer Partnershops etwas, erhalten wir eine Provision. Für Sie ändert sich am Preis nichts – und auf die Auswahl hat die Provision keinen Einfluss.

Wie wir arbeiten